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Innerhalb einer menschlichen Gesellschaftsordnung leben die Menschen in der selben realen Zeit und es gibt folglich für alle eine objektive Wahrheit. Die Wahrheit, von der hier die Rede ist, ist nicht abhängig von einem Zeitpunkt oder Ort und nicht abhängig von einer Interpretationsform.

Das Kriterium für die Erkenntnis der Wahrheit muss also tatsächlich, wie Aristoteles schon annahm und z.B. Marx wiederholte, vor allem außerhalb unseres Bewusstseins liegen. Das muss die uns umgebende „Praxis“ sein. Unsere Urteile oder unsere Aussagen sind dann wahr, wenn diese mit der Wirklichkeit übereinstimmen, wenn sie ihr adäquat sind.

Demnach muss zunächst der Abbildungsprozess, der die Umwelt (subjektiv) in unser Bewusstsein transformiert, möglichst störungsfrei ablaufen. Solange wir unsere Sinnesorgane direkt einsetzen, ist die Störungsfreiheit auf rein physiologischer Ebene zu finden. Wenn wir aber technische Hilfsmittel einsetzen, dann muss sehr sorgfältig untersucht werden, ob der Abbildungsprozess in den vorgeschalteten Phasen störungsfrei arbeitet. Messsysteme liefern Daten, die oft einer Interpretation bedürfen und oft nur im Rahmen eines Modells nutzbar sind.

Die Wahrheit ist für uns Menschen letzten Endes die Folge einer exakten Darstellung der Vorgänge und Erscheinungen in unserem Bewusstsein ( unserem neuronalen Informations-Verarbeitungssystem). Ob unsere Sinnesorgane oder unser Gehirn uns täuschen oder nicht, können wir durch Vergleiche und technische Hilfsmittel überprüfen. Aufgrund der Komplexität unserer Welt müssen wir allerdings auch mit relativen Wahrheiten leben.

Ein wichtiger Fortschritt auf dem Weg zur Wahrheit war die Erkenntnis, dass unser Universum nur ein Teil der Welt sein kann in der es existiert. Viele Menschen und darunter auch viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass nach dem sogenannten Urknall  ungerichtete Kräfte das gegenwärtige Universum produziert haben. Sie gehen davon aus, dass selbst die komplexesten Erscheinungsformen der Materie (z.B. das Gehirn) die Produkte deren Selbstorganisation seien. Dabei wird nicht der absolute Zufall bemüht, sondern auf eine Untermenge von Kombinationen vertraut, die sich aus bestimmten Eigenschaften der Materie ableiten lassen. Ein Weltbild wird übrigens schon auf der ersten Seite der Bibel entworfen. Dort wird davon ausgegangen, dass ein Gott bereits existierte bevor unser Universum ins Dasein kam. Es heißt dort: "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde." Hier finden auch Wissenschaftler, die sich nicht mit der Evolutions-Theorie abfinden wollen, eine Basis.

Um die Wahrheit zu erforschen, sind wir zwar auf unsere eigenen Sinnesorgane angewiesen, doch eine kollektive Auswertung von Wahrnehmungen eliminiert oder reduziert den Grad der Subjektivität. Unterschiedliche Ansichten über die Wahrheit, als Bild der Wirklichkeit, entstehen aufgrund unterschiedlicher Verarbeitung der Sinneseindrücke und Informationen.

Unterschiedliche Weltanschauungen kann man als das Ergebnis unterschiedlicher Interpretationen der selben Fakten ansehen. Leider ist es in der Regel genau umgekehrt: Unterschiedliche Interpretationen der selben Fakten sind die Folge unterschiedlicher Weltanschauungen oder Ideologien der Interpretierenden!

Das Dilemma in diesen Fällen ist für den einzelnen, dass er meistens als Kind, also zu einem Zeitpunkt der Unfähigkeit zur Kritik, zu einer bestimmten Weltanschauung geführt oder gezwungen wurde. Das gilt für die typische religiöse Erziehung als auch für die Erziehung zum Anhänger des Naturalismus. Sich von einem Weltbild zu lösen, das man in der Kindheit von den Eltern bekam, kann enorme Energie fordern. Bei vielen Menschen kommt es zwar zur Erkenntnis solcher Widersprüche, doch die Kluft überwinden sie lieber durch die List ihrer Gefühle - Selbstbetrug also!

Besonders wirkt sich das Fehlen von relevanten Wahrnehmungen oder Betrug bei der Übermittlung von Informationen zwingend differenzierend auf ein Weltbild im Vergleich zu anderen Mitmenschen aus. Das Dilemma ist also, dass wir von Natur aus nur subjektive Wahrheiten kennen, da wir in jedem Lernprozess individuelle Interpretationen von Fakten oder Hypothesen vornehmen. Der Wahrheit ein Stück näher zu kommen, ist für uns alle ein iterativer Prozess, der das ganze Leben läuft.

Ferner gibt es den Irrtum und die Lüge, die hemmend auf die Erkenntnis der Wahrheit wirken. Die Lüge wird gegenwärtig oft gebraucht um Machtstrukturen zu erstellen oder diese zu erhalten. Der Irrtum hat das menschliche Erforschen der Wahrheit stets begleitet und war nicht immer ein Feind des Menschen. Im Volksmund wird behauptet: "Irren ist menschlich." Doch es gibt Irrtümer, die anfänglich harmlos waren und dann zur Gefahr wurden; dazu zähle ich auch einige Irrtümer Darwins. Darwin erkannte zwar grundsätzliche Mechanismen der Natur und wandte sie offenbar richtig an. Doch wie oft im Kleinen, so auch im Großen, darf man eine Erklärung, die sich in vielen Einzelfällen bestätigt, dennoch nicht für alles anwenden. Selektion als Motor für unglaublich viele Veränderungen an den Lebensformen der Erde ist keinesfalls der Beweis dafür, dass die naturalistische Sicht zutreffend wäre.

(siehe auch Evolution/Naturalismus)


Stand 1/2008


Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.
(Max Frisch)
Wahrheit


Seit Aristoteles wurde der Gedanke begründet, die Wahrheit sei die Übereinstimmung der Aussage mit der Realität. Heute noch sagen einige, die Wahrheit liege nicht in der Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit. Einige betrachten die Wahrheit als Wesen andere als gegenstandslos. So gibt es einen großen Streit unter den Gelehrten aller philosophischen Richtungen, der schon viele Bücher gefüllt hat.

Unser Urteilsvermögen und unsere logischen Überlegungen sind uns oft gute Helfer bei der Suche nach Wahrheit, doch diese Helfer sind subjektiv! Tausende Menschen sind gestützt auf ihre Urteile und Überlegungen für ihre Wahrheit gestorben - andere kämpfen auch heute für ihre Wahrheit